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Mit einiger Verspätung möchte ich auch mein Lieblingsblog vorstellen und auch wenn in diesem Mausoleum vermutlich nicht einmal mehr die Fledermäuse diesen Eintrag lesen, stelle ich es trotzdem hier rein, um post[l]it in meinem Gefühl zu komplettieren.

Bevor ich im Folgenden das Sprachlog vorstellen möchte, kann ich es mir nicht verkneifen, ein paar Worte zu meiner subjektiven Wahrnehmung der Bedeutung von Blogs und Blogging im Hier und Jetzt vorwegzuschleudern.

Eine ganze Weile nach unserem Seminar, und damit auch dem schrittweisen und längst endgültigen Übergang unseres eigenen post[lit]-Blogs zu einem digitalen Geist, lässt sich feststellen, dass der prophezeite Untergang der Blogosphäre ausgeblieben ist. Fakt ist, dass es deutliche Veränderungen und Tendenzen gibt, die für mich zu einer spezialisierteren Blogging-Szene geführt haben. Einige Blogs sind inzwischen absolute Institutionen und Expertisensammlungen geworden. Dabei fallen mir vor allem die Medienblogs auf, die sich mit Medien aller Art kritisch auseinandersetzen, beispielsweise das allseits beliebte BildBlog, Kobuk oder topfvollgold.  Außerdem bestehen und blühen weiterhin Blogs, die sich auf ein ganz bestimmtes Thema eingeschossen haben, zum Beispiel das Supermarktblog, das Kraftfuttermischwerk (für Spaßiges) oder eben das Sprachlog. Während auch die wissenschaftlichen Blogs ihre feste Rolle eingenommen haben (und sich zum Beispiel speziell auch mit dem wissenschaftlichen Blogging an sich beschäftigt wird), ist jedoch das Aussterben dessen zu beobachten, was einmal als Ausgangspunkt für die Blogosphäre bezeichnet wurde – das persönliche Blog. Dieses ist heutzutage häufig in sporadisch gepflegter oder komplett verwaister Form anzutreffen. Die im Seminar betrachteten Blogs von Henning Onken und Stefan Niggemeier, aber auch das Blog von Stefanie Sprengnagel sind prominente Beispiele. Dabei sind die bloggenden Personen weiterhin sehr aktiv und generieren Unmengen an Inhalten – nur eben auf anderen Plattformen. Für persönliche Kleinstgedanken reichen oft Facebook und Twitter aus. Halbherzige Travel-Blogs und individuelle Fotoblogs sind inzwischen Richtung Instagram abgewandert oder stranden bei Tumblr. Die Herstellung der Life-Work-Balance des Bloggings wird weiter vorangetrieben und  private Inhalte immer häufiger vom Professionellen oder Beruflichen getrennt.

Diese von mir wahrgenommene (diese Einschränkung ist natürlich grundlegend – andere Leser sehen vielleicht ganz andere Entwicklungen) Destillation des traditionellen Bloggens wäre eine neue Betrachtung des Begriffes „Blog“ aus meiner Sicht wert – es ist bereits jetzt interessant zu schauen, was aus unseren behandelten Blogs geworden ist. Aber eigentlich bin ich ja hier, um das Sprachlog vorzustellen, das nämlich aus solchen Prozessen entstanden ist.

Selbiges ist grob gesagt ein Fusionsblog dreier Linguist_innen, die allesamt selbst schon Erfahrung im Bloggen über Sprache im weitesten Sinne hatten.

Susanne Flach begann das Bloggen im Kontext ihrer Magisterarbeit 2009, die sie tagebuchähnlich begleitete. Ein Jahr später bloggte sie auf */ˈdɪːkæf/ weiter und beschäftigte sich dort fast ausschließlich mit Sprachen, insbesondere setzte sie sich mit allgegenwärtiger Sprachkritik und Anglizismen auseinander.

Kristin Kopf schrieb bereits seit 2007 in ihrem Schplock in Form von Notizen und Zitaten. Mit wachsendem Publikum wurden auch die Themen komplexer und sie spezialisierte sich auf Sprachwandel und –kontakte sowie auf Dialekte.

Der Dritte im Bunde ist Anatol Stefanowitsch, der 2007 das Bloggen im universitären Kontext des Bremer Sprachblogs startete, aus dem mit seinem Umzug zu SciLogs das erste Sprachlog wurde. Er setzte sich dort kritisch mit populärer Sprachkritik, dem vielerorts beschworenen Untergang der deutschen Hochsprache, auseinander. Obwohl das immer noch eines seiner Lieblingsthemen zu sein scheint, findet man von ihm aber auch sehr viel zu Dialekten, Lehnwörtern und vor allem politischer Sprache und Sprachpolitik. Stefanowitsch produzierte außerdem Podcasts unter dem Label „Themen und Köpfe“. 2012 trafen sich die drei und stellten neben Gemeinsamkeiten vor allem auch eingezogene Routine fest, die sie zum gemeinsamen Bloggen inspirierte.

Dabei ist von einer Fusion nur im Personellen und Thematischen zu sprechen, denn auch wenn fast alle alten Beiträge der Drei auf der Seite archiviert sind, so ist das neue Sprachlog doch ein eigeneständiges, neues Gewächs. Die unterschiedlichen Interessengebiete der drei Sprachwissenschaftler_innen flossen im thematischen Kanon des Sprachlogs zusammen und heute beschäftigt sich das Blog vor allem mit Etymologie, Sprache und Gender, Sprachwandel, Lehnwörtern und der politischen Dimension von Sprache (zum Beispiel im Kontext von Migration oder Netzsprache). Dazu werden häufig aktuelle gesellschaftliche Themen aus sprachwissenschaftlicher Sicht betrachtet und auch kommentiert. Entscheidend ist die verständliche Aufbereitung der Themen für Nichtlinguist_innen – auch Laien sollen dabei angesprochen werden.

Inzwischen haben sich Alleinstellungsmerkmale herausgebildet, die ich fast als eine Art Markenzeichen des Sprachlogs bezeichnen würde: Die Wahl zum Anglizismus des Jahres und das Blogspektogramm. Letzteres stellt eine idealerweise sonntags (das selbstironische Spiel mit der Nichteinhaltung des Sonntagstermins kann inzwischen als traditionell bezeichnet werden) veröffentlichte, kommentierte Linksammlung dar, die im Schnitt 5-6 Beiträge enthält. Dabei fällt eine große mediale Bandbreite auf; regelmäßig gibt es nicht nur Texte, sondern auch Videos, Podcasts oder Rätsel, um sich den Sonntag zu versüßen. Das Blogspektogramm wird von keinen festen Autor_innen erstellt; lediglich unterhaltsame Inhalte und auch ein humorvoller Schreibstil sind durchgängig.

Der „Anglizismus des Jahres“ wird auf einer gesonderten Website gewählt, aber von den Schreiber_innen auch hier im Sprachlog regelmäßig kommentiert und verlinkt.

Die Beiträge im Blog erscheinen relativ unregelmäßig, es können Tage, Wochen oder auch Monate dazwischen liegen. Rein formell ist das Blog so aufgebaut, dass auf der Hauptseite ganz oben klassisch das Titelbanner thront (das auch an die Vorgängerblogs erinnert) und darunter chronologisch die letzten Posts als Teaser dargestellt werden. Darunter befinden sich Impressum, Kategorien, Blogroll, Infos über das Sprachlog und die Autoren, die Verknüpfung mit sozialen Netzwerken, das Archiv und die üblichen Verdächtigen. Interessant finde ich die explizite Erklärung zur Kommentarpolitik, die nicht nur das Vorbehalten von Nichtfreigabe, sondern bei Bedarf auch transparentes Kürzen oder Löschen postuliert. Außerdem werden dort auch Empfehlungen zur Art und Weise des Kommentierens gegeben, wohl mit dem Zweck, themengebunden und produktiv in den Kommentaren zu diskutieren und Trollen wenig Futter zu geben. Meiner Erfahrung nach klappt das hier recht gut, was aber auch an dem geringen Kommentaraufkommen des Sprachlogs liegt – 20 Kommentare pro Artikel sind eher eine Rarität und zumindest dem Namen nach gibt es einige Stammkommentatoren.

Abschließend möchte ich auf ein für mich repräsentativen Post des Sprachlogs hinweisen, um einen schnellen Eindruck von der Art der Beiträge zu bekommen: Der Artikel zur Herkunft des Wortes „Asylkritiker“ von Anatol Stefanowitsch ist für mich exemplarisch für Blog und Autor. Stefanowitsch klärt hier die Herkunft des Wortes „Asylkritiker“ und lässt unter anderem darauf seine eigene Meinung und am Schluss sogar eine Handlungsempfehlung fußen. Er zeigt die Bedeutungsverschiebung des Wortes und seine bisherigen Kontexte per Recherche auf und bebildert seinen Beitrag dabei mit Beispielen. Dass er das mit seinem persönlichen Standpunkt verbindet, macht für mich, in Kombination mit dem sprachwissenschaftlichen Erkenntnisgewinn, das Faszinierende und Lebendige des Sprachlogs aus. Die leider viel zu seltenen Posts verschlinge ich deswegen auch recht fix und kann das Blog jedem und jeder ans Herz legen, der oder die sich gerne Gedanken zu Sprache oder Begriffen macht – beziehungsweise gerne unterhaltsame Gedanken anderer zu diesem Thema konsumiert und dabei keinen Bezug zum Tagesgeschehen scheut.

 

 

 

 

 

 

Thank You Hater

Herzlichen Dank liebe Hater.
Immer mehr wissenschaftliche Beschäftigung mit Trollkultur.

Whintney Phillips schrieb ihr Doktorarbeit über RIP Trolls, 4chan und mehr, nebenher führt sie einen fantastischen Blog: http://catroulette.biz/

Bei Whitney Phillips findet ihr auch noch mehr sehr gute Links zu anderen Forschern.

Stefan Krappitz hat seine Diplomarbeit in Kommunikationsdesign über Trollkultur verfasst. Als Einstieg ganz gut:
http://wwwwwwwww.at/downloads/troll-culture.pdf

Und dann noch hier:

http://www.youtube.com/watch?v=uz2jbCJXkpA

Wie Ihr seht: es ist eine Mindmap! Also es geht um meine Masterarbeit.

Lindas Mindmap

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Vor drei Wochen las ich im ZEIT-Magazin die Wolfram Siebeck Kolumne. Das an sich ist, wie jeder Mensch bestätigen kann, der meine Lesegewohnheiten beobachtet, schon sehr besonders, denn den Siebeck lese ich nie. Es interessiert mich nicht, was er an Weihnachten essen wird oder gegessen hat. Es interessiert mich nicht, welche Schürze er zum Grillen trägt. Es interessiert mich nicht, wo seine Frau und er Urlaub machen und welche Speisen sie am dritten Urlaubstag bevorzugen. Es interessiert mich einfach nicht!

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Als 1984 die erste TED-Konferenz in Palm Springs abgehalten wurde, war noch nicht ersichtlich, wie das Internet unser aller Leben und das Bloggen unseren Wunsch nach demokratischer Mitbestimmung a la Kommentare posten und öffentlich Tagebuch schreiben, bestimmen würde.

26 Jahre später befassen sich die TEDster -so heißen die Vortragenden auf der Konferenz- nicht mehr nur mit Technik, Unterhaltung und Design, sondern auch mit Bereichen wie Business, Kunst, Performance, Comedy oder Globalisierungsthemen und das -dank des TED OpenTranslationProjekt- in 50 Sprachen, da über 7000 vollständige Übersetzungen der Talks vorliegen in Sprachen von A wie Arabisch, Albanisch, Azerbaijani bis zu U wie Urdu, Ukrainisch und Uzbekisch. Das Ganze wird seit einigen Jahren aufgezeichnet und als Videos im Internet veröffentlicht.

Was sich jetzt so staubtrocken anhört als wollte man Univorlesungen als Neuheiten auf Videos verkaufen, ist bei näherer Betrachtung doch interessanter und durchdacht raffinierter als gedacht.

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Was ist mit den verpassten Chancen, den wunderbaren Gelegenheiten, die immer wieder hinterm Schreibtisch her schnurren als hätte sich da ein Kätzchen versteckt? Jedes Mal, wenn ich die Hand danach ausstrecke, beißt es allerdings. Als wollte es mir sagen: bäh! Zu spät!

Darf ich noch posten, wenn der Blog schon halb für tot erklärt wurde und sich jeden Moment selbst zerstören könnte, weil sich die Administrator_innen nicht trauen? Was ist mit den nicht geposteten Gedanken, die noch im Äther der eigenen Synapsen, kurz vor der Tastatur erzittern und das Gefühl haben, nicht rechtzeitig gekommen zu sein. So als wäre man ein paar Jahre zu spät geboren, wenn man nicht mehr den Magister, sondern im Bachelor/Master System hängt. Weiterlesen »

Dieses Blog ist nicht mehr. Es ist von uns gegangen. Seine Zeit ist abgelaufen, und es ist jetzt auf dem Weg zu seinem Hersteller! Stocksteif ist es! Seines Lebens beraubt, ruhe es in Frieden! Sein Stoffwechsel ist nun Geschichte! Es ist vom Baum gefallen! Es hat ins Gras gebissen, seine sterbliche Hülle abgestreift, den Vorhang runtergelassen und sich dem blutenden Chor der Unsichtbaren angeschlossen!! DIES IST EIN EXBLOG!! ( Geoff Parkes) Weiterlesen »

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